Kulturelle Bildung

„Kulturelle Bildung ist ein zentraler Bestandteil einer umfassenden Persönlichkeitsbildung und schafft damit wesentliche Voraussetzungen für eine aktive Teilhabe an der Gesellschaft. Kulturelle Bildung beschränkt sich nicht auf Wissensvermittlung in kulturellen und künstlerischen Prozessen, sondern bedeutet vor allem Selbstbildung durch aktive Lernprozesse und nicht zuletzt ist sie eine besondere Methode zur grundsätzlichen Wissensaneignung in allen Lebens- und Themenbereichen. Durch kulturelle Bildung werden solche grundlegenden Fähigkeiten und Fertigkeiten erworben, wie: Sprachfähigkeit, Lesekompetenz, Kompetenz im Umgang mit Bildsprache, Körpergefühl, Integrations- und Partizipationskompetenz aber auch Disziplin, Flexibilität, Kritikfähigkeit, Teamfähigkeit – also grundlegende soziale Kompetenzen. Kulturelle Bildung wird als übergreifender Prozess und als Aufgabe sowohl im schulischen wie außerschulischen Bereich verstanden. Sie richtet sich an alle Generationen, wenngleich der Schwerpunkt der Aktivitäten auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet ist.“ – so hat es die UNESCO-Weltkonferenz in ihrem „Leitfaden für Kulturelle Bildung“ formuliert.

Kulturelle Bildung an Kinder und Jugendliche zu vermitteln bedeutet, sie Weltoffenheit und Neugier zu lehren, Kritikfähigkeit und Akzeptanz zur Differenzierung. Der Umgang mit kultureller und sozialer Vielfalt, mit Interkulturalität sowie das aktive Miteinander der Generationen sind unabdingbare Voraussetzungen für die Kommunikation miteinander, für Partizipation und gegenseitige Toleranz. Die kulturelle Bildung ist Teil der „Ziele und Grundsätze der Erziehung und Bildung“, wie sie im Brandenburgischem Schulgesetz, § 4 formuliert sind. Mit Einführung des neuen Rahmenlehrplans ab dem Schuljahr 2017/18 erhält die kulturelle Bildung als ein übergreifendes Thema einen hohen Stellenwert. Die Schulen sind damit gehalten, die kulturelle Bildung neben vielen weiteren übergreifenden Themen im schulinternen Curriculum zu verankern. Kulturelle Bildung kann sowohl fachbezogen, fächerübergreifend als auch in Projekten umgesetzt werden. Gerade in Projekten ergeben sich Möglichkeiten der Begegnung mit Kulturschaffenden. Darüber hinaus können die in der kulturellen Bildung erworbenen Kompetenzen in vielen Fächern genutzt werden.

Kulturelle Bildung soll zur Partizipation am kulturellen Geschehen einer Gesellschaft befähigen. Das „Konzept zur kulturellen Bildung des Landes Brandenburg“ zielt darauf ab, die Bürgerinnen und Bürger zu demokratischer und zivilgesellschaftlichen Teilhabe zu befähigen und zu ermutigen sowie insbesondere Menschen aus sozialen Brennpunkten dafür zu gewinnen. Dabei soll auch die Lebensqualität in den Regionen erhöht werden, die von den Auswirkungen des demographischen Wandels stärker betroffen sind. Auch die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) hat wichtige Grundlagen zur kulturellen Kinder- und Jugendbildung formuliert. Dabei hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Ziel einer Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen an Kunst und Kultur nur durch die Kooperation von vielen Partnern möglich wird.

Schule

Mit dem Stichwort „Kulturelle Bildung“ verbindet sich ein pädagogischer Ansatz unter dem Motto „Stärken finden und stärken“. Die Stärken der einzelnen Schülerinnen und Schüler liegen oft in Bereichen, die nicht mit schulischen Messinstrumenten erfasst werden. Diese Stärken gilt es zu entdecken, zu fördern und zur Grundlage von Bildungserfolgen zu machen. Um jene oft verborgenen Stärken zu entdecken, eignen sich in besonderer Weise Projekte zur kulturellen Bildung. Dabei sind Eigenaktivität, Kreativität, Neugier und Kooperationsbereitschaft gefragt, verbunden mit der Fähigkeit, sich mit einem Thema ebenso auseinanderzusetzen wie mit dem Lebensumfeld, was schließlich zu künstlerisch-kreativen Lernprozessen führt. Als Querschnittsaufgabe dient die kulturelle Bildung dem Erkennen eigener Potenziale, der Profilschärfung von guter Schule und der Stärkung von Schulqualität.

Kulturelle Bildung in der Schule umfasst nicht allein die Einübung basaler Kulturkompetenzen und die Entfaltung künstlerischer Potentiale, sondern insbesondere auch die das Lernklima bestimmende Schulkultur. Eine Schulkultur, die Kommunikation und Partizipation zu ihren Grundprinzipien macht und in ihrer Unterrichtsentwicklung die individuelle Förderung ins Zentrum stellt, ist die Grundlage für die Entfaltung und Förderung der in den Kindern und Jugendlichen liegenden Fähigkeiten und Begabungen in einer Schule für alle.

Nicht alle Kinder und Jugendliche haben gleichermaßen Zugang zu Angeboten kultureller Bildung. Die Schule hingegen bietet ihnen die Chance, Kultur in vielfältiger Weise zu erleben, zu erfahren und selber zu gestalten. Die Öffnung der Schule für die vielen außerschulischen Akteure der kulturellen Bildung und der Kultur sowie eine verlässliche Zusammenarbeit mit diesen außerschulischen Partnern können dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche in der Schule Kultur als zentralen Beitrag ihres Lebens ausgestalten lernen. Im August 2015 startete das ESF-Förderprogramm Initiative Sekundarstufe I (INISEK) aus dem Europäischen Sozialfonds. Es richtet sich an Ober-, Gesamt- und Förderschulen mit dem sonderpädagogischen Schwerpunkt „Lernen“. Über die INISEK-Regionalpartner werden aus diesem Programm auch Projekte zur kulturellen Bildung gefördert.

Ganztagsangebote an Schulen fördern kulturelle Bildung in unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Zusammenhängen. Dazu dienen Rahmenvereinbarungen zwischen dem MBJS und verschiedenen kulturellen Landesverbänden, die die Grundlage für Kooperationen zwischen Schulen, Trägern der Jugendarbeit und Kultureinrichtungen bzw. Kunstschaffenden vor Ort sind. Beispielsweise wurden 2015 in dem von der Universität Potsdam entwickelten d’art-Projekt (Didaktik für Kunst- und Kulturschaffende zur Gestaltung außerunterrichtlicher Angebote in Ganztagsschulen) Künstlerinnen und Künstler für den außerunterrichtlichen Einsatz an Ganztagsschulen ausgebildet.

Kinder- und Jugendarbeit

Aufgabe der kulturellen Kinder- und Jugendbildung ist es, allen Kindern und Jugendlichen unabhängig von den regionalen oder sozialen Rahmenbedingungen ein qualitativ hochwertiges Freizeitangebot und eine chancengerechte Entwicklung zu ermöglichen. Sie ist integraler Bestandteil des Erziehungs- und Bildungsauftrags und leistet einen Beitrag zur Aneignung der Wertebasis unserer Gesellschaft und damit zur Stärkung der Demokratie. Kulturelle Kinder- und Jugendbildung will möglichst viele Kinder und Jugendliche erreichen und sie für kulturelle Ausdrucksformen interessieren. Denn kulturelle Bildung bedeutet Teilhabe, Chancengerechtigkeit und Stärkung des Selbstbewusstseins, eröffnet und begleitet Prozesse der Selbstbildung und Selbstentwicklung. Sie vermittelt Kompetenzen, die den Einzelnen zur Orientierung und zum produktiven Umgang mit Herausforderungen aufgrund gesellschaftlicher Modernisierungs- bzw. Veränderungsprozesse befähigt.

Das Verständnis von kultureller Bildung geht aber, gerade mit Blick auf die Adoleszenzphase – der Heranreifung vom Kind zum Erwachsenen – weit über den eigentlichen Begriff hinaus. Kurz gesagt, umfasst kulturelle Bildung auch den Bereich der Jugendkultur im Sinne von Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsfindung des Individuums. In der Jugendphase prägen sich unterschiedliche Lebensstile und Werthaltungen aus, die sich in jeweils spezifischen kulturellen Stilen und Aktionsformen ausdrücken. Jugendliche probieren sich aus, testen und überschreiten mitunter bewusst Grenzen. Sie konfrontieren die Erwachsenenwelt mit ihren eigenen politischen oder ästhetischen Empfindungen und Überzeugungen. Diese kulturelle und zugleich gesellschaftliche Auseinandersetzung fördert das Selbstbewusstsein und die Selbstwahrnehmung. Jugendkultur als Ausdruck der Adoleszenz ist in diesem Sinne ein wichtiger Teil der informellen Bildung von jungen Menschen. Jugendliche brauchen Frei-Räume, um ihre Identität durch Ausprobieren verschiedener Formen der Jugendkultur herausbilden zu können. Sie brauchen Orte, an denen sie sich selbst organisieren und selbst initiativ werden können. Kulturelle Bildung im Jugendbereich ist entsprechend Sozialgesetzbuch VIII – Kinder- und Jugendhilfe – § 11 (Jugendarbeit), Absatz 3 Bestandteil der außerschulischen Jugendbildung im Rahmen der Jugendarbeit.

Innerhalb der außerschulischen Jugendbildung stellt die kulturelle Bildung einen erheblichen Schwerpunkt in den Angeboten der Träger der freien Jugendhilfe dar. Kulturelle Jugendbildung findet statt in der offenen Jugendarbeit, in Jugendverbänden, in den Jugendbildungsstätten und bei zahlreichen anderen Vereinen und Organisationen. Das wird eindrucksvoll unterstrichen durch die Vielzahl an Projekten, die pro Jahr im Rahmen der außerschulischen Jugendbildung und der internationalen Jugendarbeit aus Mitteln des Landesjugendplans gefördert werden.

Zu den landesweit bedeutendsten Veranstaltungen der kulturellen Kinder- und Jugendbildung zählen die jährlich alternierend stattfindenden Deutsch-Polnisch-Litauischen Jugendkulturtage Brandenburg sowie das JIM-Jugendfilmfestival.

Die Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK) hat sich bereits 2008 und 2009 mit der Weiterentwicklung der kulturellen Kinder- und Jugendbildung befasst und sich zur Erhöhung des Stellenwertes und zur Weiterentwicklung der kulturellen Bildung in Deutschland bekannt. Einen Schwerpunkt sieht die JFMK dabei in der Zusammenarbeit von Schulen mit außerschulischen Partnern z. B. im Rahmen der Ausgestaltung des Ganztags sowie in der Einbindung von bisher zu wenig erreichten Zielgruppen, wie z. B. von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund sowie von Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten und bildungsfernen Familien.



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