4.300 neue Lehrerinnen und Lehrer für Brandenburgs Schulen in den nächsten fünf Jahren

Baaske schaltet Fachkräfteportal für Bewerbungen frei und stellt Imagefilm vor

Presseinformation vom 03.03.2015

Logo Lehrer in Brandenburg

Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske will in der laufenden Legislatur insgesamt etwa 4.300 Lehrkräfte neu einstellen, darunter zum Schuljahresbeginn 2015/16 mehr als 1.000. Die ersten Verfahren dazu laufen. Das gab er heute auf einer Pressekonferenz in Potsdam bekannt. Um Interessenten besser zu erreichen, werden Stellen ab sofort über das Fachkräfteportal des Landes schulscharf veröffentlicht. In das Portal sind auch allgemeine Informationen über die Bildung in Brandenburg und ein kurzer Imagefilm eingebunden, den Baaske heute erstmals vorstellte und mit dem er für den Lehrerberuf im Land Brandenburg werben will.

Der Film wurde im vergangenen Sommer im Auftrag des Bildungsministeriums von Absolventen der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf (HFF) gedreht. Darin werden eine Lehrerin und zwei Lehrer porträtiert, die nach Brandenburg gekommen sind; darunter Ludger Melters, der am Oberstufenzentrum Prenzlau als stellvertretender Schulleiter arbeitet.

Er kam schon 1994 vom Niederrhein nach Brandenburg. Melters: „Es war Liebe auf den ersten Blick. Gute Schulatmosphäre, tolle Landschaft, neues Leben. Man kann hier auch hervorragend in Vereinen und in der Kommunalpolitik mitarbeiten. Ich bin hier glücklich.“ Längst lebt auch seine aus Paris kommende Frau in der Uckermark. Ihre drei Kinder (13, 11 und 7 Jahre) sind in der Uckermark geboren.

Durch die Einbindung freier Stellen in das Fachkräfteportal, das Baaske vor zweieinhalb Jahren als Arbeitsminister aufgebaut hatte, will er mehr Interessenten erreichen. Die jeweiligen Schulen sind mit den Ausschreibungen verlinkt, sodass Interessenten sofort Detailinformationen zu ihrem möglichen Arbeitsort finden können. Derzeit sind in das Portal etwa 70 Stellen für Lehrkräfte und Leitungsfunktionen im Landesdienst eingestellt. Baaske dankt ausdrücklich dem Arbeitsministerium und der ZAB (Zukunftsagentur Brandenburg) für die gute und schnelle Kooperation zur Integration des Bildungsbereichs in das Fachkräfteportal.

(Suchbegriff „Lehrer“ im Portal:  www.fachkraefteportal-brandenburg.de/arbeitsplaetze

Mit den mehr als 1.000 neuen Lehrkräften im kommenden Schuljahr sollen deutlich mehr als in diesem Schuljahr und mehr als doppelt so viele wie in den Vorjahren eingestellt werden Die Einstellungen nehmen die Regionalstellen des Landesschulamtes in Brandenburg a. d. H., Cottbus, Frankfurt (Oder) und Neuruppin vor. Sie haben bereits einige Zusagen und stehen mit vielen Bewerberinnen und Bewerbern in Kontakt.

Damit werden etwa 700 Lehrkräfte ersetzt, die altersbedingt oder aus anderen Gründen aus dem Schuldienst ausscheiden. Zum anderen wird mit rund 300 neuen Stellen die Arbeit an den Schulen erleichtert, u. a. da ab dem kommenden Schuljahr die Lehrkräfte an Gesamtschulen, Gymnasien und Oberstufenzentren um eine Unterrichtsstunde pro Woche entlastet werden.

Bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode will Baaske insgesamt etwa 4.300 neue Lehrkräfte einstellen. Allein in den nächsten beiden Schuljahren werden es zusammen fast 2.000 Lehrerinnen und Lehrer sein. In der letzten Legislatur ab Schuljahr 2009/10 waren es mit insgesamt etwa 2.870 deutlich weniger.

Baaske: „Das sind sehr ehrgeizige Ziele. Wir müssen alles daran setzen, die Stellen auch wirklich besetzen zu können. Die vielfach gehörte und schlaue Forderung nach ´mehr Lehrer` reicht nicht – man muss auch geeignetes Personal finden. Und das nicht nur in Potsdam und Kleinmachnow, sondern auch in Perleberg, Schwedt, Jüterbog und Finsterwalde".

Fachlicher und regionaler Bedarf

Baaske sieht für das Schuljahr 2015/16 den größten Bedarf in den Grund- und Oberschulen, zweitgrößter Bedarfsschwerpunkt ist die Sonderpädagogik. Lehrkräfte werden insbesondere für die Fächer Deutsch und Mathematik, gefolgt von Kunst und Musik, Englisch, Sport und Sachkunde gesucht, dabei vorrangig in den von Berlin entfernten Regionen.

Trotz der rechnerisch ausreichenden Ausstattung an Gymnasien und beruflichen Schulen besteht auch dort punktueller Einstellungsbedarf: Insbesondere regional können Bedarfe einzelner Schulen für Mathematik, Informatik, Chemie, Physik, Kunst, Musik, Latein und für einzelne Fachrichtungen der Berufsschulen von den Modellergebnissen abweichen.

Ab dem Jahr 2016/17 besteht ebenso wieder an Gymnasien in den Fächern Biologie, Chemie, Physik, Informatik sowie für die berufsbildenden Fächer ein größerer Bedarf. Baaske: „Die Lehrermodellrechnung ist für uns eine hervorragende Planungsbasis – aber das echte Leben spielt manchmal anders. Deshalb müssen wir auf neue Bedarfe schnell und flexibel reagieren.“

Um den steigenden Bedarf zu decken, hat das Land Brandenburg die Ausbildungskapazitäten für die Referendare für alle Lehrämter in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut:

  • 2005/06: von 450 auf 600 Ausbildungsplätze
  • 2010/11: von 600 auf 750 Ausbildungsplätze
  • 2011/12: von 750 auf 900 Ausbildungsplätze (aktueller Stand).

Seiteneinsteigerinnen und -einsteigern wird bereits seit 1994 die Möglichkeit gegeben, in den staatlichen Schuldienst aufgenommen zu werden. Derzeit werden von ihnen etwa fünf  Prozent der Stellen gedeckt. Sie werden jedoch nur eingesetzt, wenn es keine Möglichkeit gibt, die freien Stellen in akzeptabler Zeit durch grundständig ausgebildete Lehrkräfte zu besetzen.

 

Argumente für den Lehrerberuf im Land Brandenburg

Nach Auffassung von Günter Baaske gibt es zahlreiche gute Argumente, in Brandenburgs Schuldienst zu gehen. Seine Argumente, mit denen er auch im Fachkräfteportal wirbt:

  • sichere Beschäftigung an vielfach sanierten und gut ausgestatteten Schulen und in einem attraktiven Umfeld (z.B. gutes Kita-Angebot, relativ günstiger Wohnraum und niedrige Lebenshaltungskosten, gute Natur- und Kulturangebote, zumeist gute Infrastruktur, kurze Wege beispielsweise nach Berlin oder an die Ostsee).
  • Alle Lehrkräfte, die dies wünschen und die Voraussetzungen dafür erfüllen, werden verbeamtet.
  • Einstufung im 1. Berufsjahr bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen: Grundschule: E11 / A12; Oberschule: E11/A12; Gymnasium: E13 / A13; Gesamtschule: E11 / A12 oder E13/A13; Förderschule: E13 / A13; Oberstufenzentrum: E13 / A13. Brandenburg bewegt sich damit im bundesweiten Mittelfeld.
  • Lehrkräfte an Gesamtschulen, Gymnasien und Oberstufenzentren werden entlastet. Ihre Pflichtstundenzahl wird ab dem Schuljahr 2015/16 um eine Unterrichtsstunde pro Woche abgesenkt (von 26 auf 25 Stunden). Für die Lehrkräfte an Grund- und Oberschulen gilt diese Regelung bereits seit 2014/15. Für Förderschulen gelten besondere Regelungen.
  • Lehramtskandidatinnen und -kandidaten, deren Einstellung für das kommende Schuljahr geplant ist und die bereits vor Schuljahresbeginn mit ihrer Ausbildung fertig werden, sollen möglichst nahtlos weiterbeschäftigt werden.
  • Im bundesweiten Vergleich bestehen an den Grund- und Oberschulen in den zu Berlin ferneren Regionen relativ kleine Klassengrößen.

 

Baaske prüft Entlastung für Leiterfunktionen

Günter Baaske ist sich bewusst, „dass wir nur durch das Ineinandergreifen verschiedener Maßnahmen genug gute und geeignete Interessenten erreichen, um die frei werdenden Stellen zu besetzen.“ Dies sei insbesondere oft im ländlichen Raum schwierig.

Auch Leitungsfunktionen seien nicht immer leicht zu besetzen. Die zusätzlich neben der Tätigkeit als Lehrkraft zu erfüllenden Aufgaben binden einen erheblichen Teil der Arbeitszeit. Deshalb prüft Baaske derzeit, die Zahl der Anrechnungsstunden für Schulleitungen zu erhöhen.

Er will zugleich mögliche Engpässe, die sich durch Vorgaben bei Ausschreibungen ergeben, beseitigen; dazu könnten zum Beispiel formale und zeitaufwendige Verfahren gehören. Baaske: „Die Regionalstellen des Landesschulamtes arbeiten die Einstellungsverfahren nach klaren Regeln ab. Wenn es Möglichkeiten gibt, hier mehr Tempo hineinzubekommen ohne gesetzliche Vorgaben auszuhebeln, will ich das gerne machen.“ 

Verbessern will Baaske das Gesundheitsmanagement und dazu ein Konzept entwickeln. Die aktuelle Statistik über die langzeiterkrankten Lehrkräfte zeigt einen Rückgang von 2,6 % auf 2,4 % (2013 zu 2014) auf. Insgesamt sind aktuell 440 Lehrkräfte langfristig erkrankt, davon 341 Beamte und 99 Tarifbeschäftigte.

Baaske: „Wir sind es unseren Lehrkräften schuldig, dass sie körperlich und psychisch fit bleiben, und wir müssen uns den langfristig Erkrankten widmen. Zugleich schaffen sie erhebliche Probleme bei den Planungen der Schulleitungen.“ Über das Vertretungsbudget (jährlich 5 Millionen Euro) können die Regionalstellen Ersatz für langfristig Erkrankte organisieren. Dieser Betrag reicht für etwa 100 Stellen.

 

Einstellungsteams beim Landesschulamt

Interessenten können sich auf die im Fachkräfteportal und auf den Seiten des Landesschulamtes veröffentlichten und aktuell zu besetzenden Stellen bewerben. Das Portal wird bundesweit mit entsprechenden Portalen verknüpft, zum Beispiel Ministerien anderer Länder; Kultusministerkonferenz oder regionale Initiativen. Soweit sinnvoll, sollen möglicherweise auch punktgenaue Online-Anzeigen geschaltet werden.

Über ein Bewerber-Online-Verfahren können sich Interessenten aber auch direkt und zentral bei einer der vier Regionalstellen des Landesschulamtes ihrer Wahl registrieren lassen. Sie werden dort als Interessenten in Bewerberkarteien aufgenommen und per Mail angeschrieben, sobald es eine freie Stelle für ihr Profil gibt.

An den Regionalstellen gibt es Einstellungsteams als feste Ansprechpartner, die bei Fragen zur Bewerbung, aber auch zu „weichen Faktoren“ Hilfestellung bieten. Zugleich wird künftig eine Hotline des Ministeriums angeboten. Die betreffenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können Interessenten über Details informieren.

Es werden Gespräche mit den Landkreisen und kreisfreien Städten geführt, um attraktive Modelle zur Lehrergewinnung für den ländlichen Raum zu entwickeln („Landlehrer“). Das nächste Treffen dafür ist für 10. März geplant. Lokal soll eine „Willkommenskultur“ für neue Lehrkräfte entwickelt werden. Dazu soll auch eine aktive kommunale Unterstützung gehören, zum Beispiel bei Wohnungssuche, Kita-Plätzen oder Arbeitsmöglichkeiten für Partner. Auf dem Internetportal des Kreises Uckermark wird bereits auf freie Lehrkraftstellen im Kreis hingewiesen.

Vorgesehen sind auch Informationsveranstaltungen von Minister Baaske und Staatssekretär Drescher zu Beginn des Bachelorstudiums an der Universität Potsdam, gegebenenfalls aber auch in anderen Bundesländern. Das Landesschulamt wird Informationsveranstaltungen zum Vorbereitungsdienst und zu Einstellungschancen im Land Brandenburg nach einem erfolgreichen Abschluss an Universitäten der ostdeutschen, aber auch einzelnen westdeutschen Bundesländern durchführen.

 

Freie Stellen für Lehrkräfte, Infos zum Berufseinstieg, zu Bewerberverfahren und zum Bildungssystem in Brandenburg sowie Lehrerfilm im Netz unter:

www.fachkraefteportal-brandenburg.de/arbeitsplaetze/freie-lehrerstellen.html


letzte Änderung am 10.03.2015

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